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061008: Der Tod und der Hilfeschrei (1) - Der Einen und der Anderen ...

Das Wichtigste seit vorgestern am späteren Abend ist nicht der erneute Datenschutzskandal bei der Telekom und auch nicht die abermalige Zuspitzung in Sachen Finanzkrise in Deutschland bei der Hypo Real Estate (HRE), es ist für mich der Habitus hinter dem folgenden Zitat eines Bankmanagers, das in der "Welt" und auch in "SZ-Online" zu lesen ist (sinngemäss haben sich jüngst auch andere, bis hin zum Chef der Deutsche Bank ähnlich geäussert):

"Es ist allerhöchste Zeit, dass die Bundesregierung den Ernst der Lage erkennt".

Für manches ist es dringend Zeit, die höchste Zeit jedoch wäre es, dass die Finanzbranche endlich ihre Verantwortung anerkennt und dann auch tatsächlich in entsprechendem Umfang übernimmt. Stattdessen ist es so, als ob der Teufel nach dem Weihwasser ruft. Die Verantwortung wird weggeschoben, fast alles ignoriert, was bisher angeblich höchste Wertigkeit hatte.

Allein, dass es (jetzt) überhaupt noch gewagt wird, einen solchen Satz auszusprechen ...

Sicher ist die Gier und der offenkundige Dilettantismus in den Medien ein Thema. Aber es wird in erster Linie doch darüber debattiert sowie hin und her analysiert, ob eine staatliche Hilfe für die Finanzbranche aus politischen Gründen erfolgen solle oder zweckmässig ist, oder nicht: Die Verursacher selbst bleiben ziemlich aussen vor. Vor allem deshalb ist ihr ohnehin geringes Risiko zusätzlich relativ begrenzt.

Die Verantwortlichen in den Chefetagen sind in der Vergangenheit beinahe ausnahmslos immer durchgekommen und trotz allem scheint es auch jetzt so zu sein, in diesen Kreisen der feste Glaube daran jedenfalls zu bestehen, sonst würde ein solches Gerede schon längst aufgehört haben, die öffentlichen Aussagen mit Sicherheit ganz anders und weit vorsichtiger, dem Debakel einigermassen angemessen, klingen.

Bei solchem Verhalten kehrt bei mir ein Teil der verbliebenen Emotionen jäh zurück: Der Würgereiz ..., hier u. a. wegen des unvergleichlichen "Spieleinsatzes" und der grotesken Unverhältnismässigkeit, dazu gleich mehr.
Wir wissen, dass wesentliche Teile der Finanzbranche in ihrem Geschäftsgebaren schon längst einen entscheidenden, den letzten und nicht zu überbietenden Schritt weiter sind. Ich sprach im übrigen bisher schon immer von der Finanzbranche insgesamt, weil Banken oftmals Gesellschafter bei Versicherungen sind und deshalb ebenfalls zu den Daten-Dealern gehören. Ausserdem sind die Versicherungen ja jetzt bei der HRE als "Retter" mit im Boot.

Dennoch erwartet die Finanzbranche nun also völlig ungerührt vom Staat bzw. von dessen Gesamtheit der Menschen, dass die Folgen eines habgierigen und dilettantischen Grössenwahns bereinigt werden. Darunter Millionen von Menschen, deren Menschenrechte durch die nichtigen Daten-Deals gröbst verletzt wurden und gänzlich unbeeindruckt weiter werden.

Und darunter desweiteren massenhaft Menschen, deren gesundheitliche und finanzielle Existenzen mangels jeder Legitimation schwer geschädigt oder gar schon ausgelöscht wurden. Bekanntlich kann nach den – auch verfahrensbedingt – nichtigen Share-Deals keine rechtmässige Entscheidung, z. B. über die Verweigerung einer ärztlichen oder sonstigen Leistung oder zu einer Kündigung etc., mehr getroffen werden, selbst wenn diese unter "normalen" Umständen bzw. ohne die nichtigen Datentransaktionen ordnungsgemäss sein sollte. Danach sind es jedenfalls selbst diese nicht mehr.

Die Branche erwartet also selbstverständlich, dass auch diese von ihr derart "behandelten" Menschen (oder ihre verbliebenen Angehörigen) ihr helfen. Unschuldige (das "Versicherungsverhältnis" betreffend) Menschen, die sogar durch den Abschluss einer Ver"sicher"ung explizit ihre Existenzen vor Schäden schützen wollten und denen das auf der Homepage dargestellte widerfuhr. Wie skrupellos, arrogant und ignorant muss man dafür sein ?

Weiter mit dem unvergleichlichen bzw. deren begrenztem Risiko und der grotesken Unverhältnismässigkeit: Aufgrund der Finanzkrise haben die verantwortlichen Manager vielleicht bisher – bildlich – Teile ihres Gesichtes verloren.

Aber das Gesicht ist mit das erste, was die Opfer der Deals mit dem – meist langsamen aber unaufhaltsamen – Niedergang ihrer finanziellen und gesundheitlichen Existenzen verlieren und so schlimm es ist, es wird nach und nach zu einer vernachlässigbaren Grösse ...

Millionen von Menschen sind bereits jetzt so oder so zwingend betroffen und für Jeden davon kann es nach der Missachtung ihrer oder seiner Menschenrechte Jederzeit noch schlimmer kommen, bis hin zur zwangsweisen Entrichtung des tatsächlich höchsten Preises.

Was steht dagegen für die Verantwortlichen des Finanzdebakels auf dem "Spiel" ? In aller Regel nicht einmal ihre finanzielle Existenz. Auch wenn sie zu denen gehören, die ihre Jobs räumen müssen sollten, womit längst nicht flächendeckend zu rechnen ist, dürften sie entweder bereits genug verdient haben oder aber wegen ihres "Verlusts" ver"sicher"t sein können, eine ausreichende Abfindung zu kassieren, um keine irdischen Sorgen mehr zu haben.

Im Titel dieses Textes ist von "Hilfeschrei" die Rede: Wie würden die Verantwortlichen in der Finanzbranche wohl schreien, wenn ihre Menschenrechte verletzt worden wären ? Und wie würden sie danach erst kreischen, wenn es auch noch um ihre finanzielle Existenz ginge ?

Und was wäre es so wahrscheinlich für ein kaum zu ertragendes jämmerlichstes Wehklagen, wenn es um ihre gesundheitliche Existenz oder gar um ihr biologisches Sein ginge ? Es wäre das genaue Gegenteil eines stillen Landes ...

Wenn es nicht so traurig und so verhängnisvoll und so grausam wäre, wenn man sich statt im "richtigen" "Leben" etwa noch im Kindergarten befände, könnte man eine derart arrogante Ignoranz, eine solche wahrheits-, verantwortungs- und menschenverachtende Skrupellosigkeit als die eines nicht einmal bemitleidenswerten, weil, wenn es eng wird, nach der Mami heulenden Hasenfusses bezeichnen, der nicht weiter ernst zu nehmen ist.

Aber sie werden, so wie es (bisher) aussieht, niemals damit aufhören, es wird immer so weitergehen, falls sie damit durchkommen und nicht endlich mit deutlichen Worten Einhalt geboten wird, wenn nicht die Prinzipien der Verantwortung und der Sanktion zu ihrem Recht kommen.

Und – nicht nur im übrigen – nicht vergessen: Sie sind ja längst den entscheidenden letzten Schritt weiter: Wesentliche Teile der Finanzbranche haben ganz andere, nämlich buchstäbliche Leichen im Keller ...

 

Das in diesem Beitrag, angesichts der und im Vergleich zu den aktuellen Entwicklungen, nur in ziemlicher Kürze. Ausserplanmässig war dieser Text lediglich was den Zeitpunkt betrifft, nicht hinsichtlich der wesentlichen Inhalte. Es gibt zu dieser Vorstufe an weit weniger schweren Datenschutzskandalen und zur Finanzkrise etc. noch einiges zu sagen und das wird auch in Kürze geschehen, denn es macht das zugrundeliegende Verhalten deutlicher ...

Es sind Einschläge in der grossen Wirtschaft, wie in der grossen Politik und sie kommen immer näher, direkt an Millionen von einzelnen Menschen heran. Und doch sind sie eben in wichtigen Teilen deutlich von der besonderen Dimension und Qualität unserer "Sache" entfernt.


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